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Schulabschluss nachholen

WuU.de Redaktion

Warum ist ein Schulabschluss wichtig?

Die schulische Bildung ist ein wichtiger Teil der persönlichen Entwicklung eines Menschen, da sie einen maßgeblichen Anteil im Hinblick auf den beruflichen Werdegang einnimmt. In Deutschland hängt das Risiko, arbeitslos zu werden, eng mit dem Bildungsstand zusammen: Menschen mit niedrigem Bildungsstand sind deutlich häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen als Menschen mit hohem Bildungsstand.

In Deutschland setzt mit der Schulpflicht auch die Pflicht zur Schulbildung ein. Außerdem ist eine abgeschlossene Schulbildung der Schlüssel zu höheren Bildungsinstitutionen sowie zur Arbeitswelt und gleichermaßen unabdingbar zur Meisterung des alltäglichen Lebens. Eine abgeschlossene Schulbildung stellt damit eine wichtige Voraussetzung für den Anschluss in die Berufswelt dar. Deshalb lohnt es sich in jedem Fall, einen Schulabschluss nachzuholen, zumal dies Ehrgeiz und Einsatzbereitschaft beweist und den Weg in ein selbständiges Leben ebnet.

Welche Schulabschlüsse gibt es?

In Deutschland sind mehrere Schulabschlüsse möglich. Diese unterteilen sich in 1. Hauptschul- bzw. qualifizierenden Hauptschulabschluss, 2. Mittlere Reife, 3. Fachhochschulreife sowie 4. Abitur.

1. Hauptschul- bzw. qualifizierender Hauptschulabschluss

Je nach Bundesland und Schulform erhält ein Schüler/eine Schülerin den Hauptschulabschluss nach Beendigung der 9. oder 10. Klasse. Er ist für viele Ausbildungen im Rahmen des „Dualen Ausbildungssystems“ die übliche Grundlage; gesetzlich vorgeschrieben ist ein bestimmter Schulabschluss für eine duale Ausbildung allerdings nicht. Eine duale Ausbildung beinhaltet die parallele Ausbildung in einer Berufsschule und einem Betrieb.

In einigen Bundesländern kann ein qualifizierender Hauptschulabschluss über eine zusätzliche Prüfung erworben werden – in Bayern etwa der „qualifizierende Abschluss der Mittelschule“. Er erhöht die Chancen für einen Ausbildungsplatz und kann den Weg zur Mittleren Reife erleichtern.

In anderen Ländern gibt es nach der 10. Klasse einen erweiterten Hauptschulabschluss, der meist an einen bestimmten Notendurchschnitt geknüpft ist (in Berlin und Brandenburg etwa als „erweiterte Berufsbildungsreife“). Wie es im Einzelnen geht, zeigt der Beitrag Hauptschulabschluss nachholen.

2. Mittlere Reife

Die „Mittlere Reife“ trägt in den einzelnen Bundesländern verschiedene Bezeichnungen. Dazu zählen die Begriffe „Mittlerer Bildungsabschluss“, „Realschulabschluss“, „Fachoberschulreife“, „Qualifizierter Sekundarabschluss“, „Mittlerer Schulabschluss“ sowie „Sekundarabschluss I“. Regulär kann dieser Abschluss meist nach der 10. Klasse durch eine Prüfung erreicht werden und stellt eine günstige Voraussetzung für eine Berufsausbildung dar. Zudem eröffnet er die Möglichkeit, weitere qualifizierende, schulische Abschlüsse zu erwerben. Mehr dazu im Beitrag Realschulabschluss nachholen.

3. Fachhochschulreife

Die Fachhochschulreife wird umgangssprachlich auch als „Fachabitur“ bezeichnet. Sie berechtigt zum Studium an Fachhochschulen bzw. Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Davon zu unterscheiden ist die fachgebundene Hochschulreife, die zum Studium bestimmter Fachrichtungen auch an Universitäten berechtigt. In einigen Bundesländern ist es außerdem möglich, an einer Berufsoberschule die fachgebundene oder – mit einer zweiten Fremdsprache – die „Allgemeine Hochschulreife“, also das Abitur, zu erlangen.

4. Abitur

Das Abitur wird auch als „Allgemeine Hochschulreife“ bezeichnet und gilt als höchster Schulabschluss in Deutschland. Es berechtigt zum Studium aller Studiengänge an Universitäten und Hochschulen – sofern nicht Zulassungsbeschränkungen oder Eignungsprüfungen entgegenstehen. Wege dorthin beschreibt der Beitrag Abitur nachholen.

Welche Möglichkeiten gibt es, einen Schulabschluss nachzuholen?

Die Möglichkeiten, einen Schulabschluss nachzuholen, sind in Deutschland sehr vielfältig und breit gefächert. Der „Zweite Bildungsweg“ hält etliche Modelle bereit, einen Schulabschluss nachzuholen.

Jüngere Menschen, die einen Hauptschulabschluss nachholen möchten, können dies häufig im Rahmen eines Berufsvorbereitungsjahres oder einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme der Agentur für Arbeit tun, um bereits erworbene Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten aufzufrischen und zu erweitern, damit der Hauptschulabschluss mittels einer Prüfung erworben werden kann.

Auch für Interessierte aller anderen Schulabschlüsse bieten sich zahlreiche Chancen an verschiedenen Einrichtungen. Vor allem die Volkshochschulen, Berufskollegs und Abendschulen bieten Möglichkeiten zum Nachholen eines Schulabschlusses. In vielen Regionen müssen dann auch nicht immer lange Wege in Kauf genommen werden, da sich zahlreiche Einrichtungen auf das Nachholen von Schulabschlüssen spezialisiert haben.

Ebenso können Fernlehrgänge bei privaten Akademien und Instituten belegt werden, mit denen sich neben einer Berufstätigkeit oder der Erziehungszeit von Kindern auf einen Schulabschluss vorbereiten lässt. Die Prüfung wird dann als Externenprüfung an einer staatlichen Schule abgelegt.

Wie viel Zeit benötigt das Nachholen eines Schulabschlusses?

Die Zeit zum Nachholen eines Schulabschlusses kann individuell stark variieren. Je nach Vorkenntnissen, Abschlussziel und zeitlichen Möglichkeiten ist die Dauer verschieden. Als Richtwerte sollten jedoch ein bis drei Jahre angenommen werden.

Wer ganztägig den Unterricht besucht, kann bereits nach ein oder zwei Jahren seinen Schulabschluss erreichen. Wird der Schulabschluss neben einer Berufstätigkeit oder anderen Tätigkeit auf einer Abendschule oder in Teilzeit nachgeholt, muss mehr Zeit eingeplant werden. In der Regel sind dann bis zu drei Jahre, beim Abitur am Abendgymnasium teils auch etwas mehr einzuplanen.

Kann der Schulabschluss nebenberuflich nachgeholt werden?

Ein Schulabschluss kann auf verschiedenen Wegen erreicht werden. Vor allem für Berufstätige und Eltern in Erziehungszeit sind Unterrichtsformen günstig, die nicht ganztags angeboten werden. Dies ist häufig in Abendschulen und Volkshochschulen möglich. Dort gibt es Unterrichtskurse, die in den Abendstunden oder am Wochenende stattfinden.

Auch Fernlehrgänge, die häufig im Internet angeboten werden, bieten den Vorteil einer flexiblen, zeitlichen Gestaltung und Einteilung des Pensums. Allerdings benötigt insbesondere das Lernen unter Mithilfe des Internets ein hohes Maß an Disziplin und ein präzises Zeitmanagement.

Welche Kosten entstehen beim Nachholen eines Schulabschlusses?

An öffentlichen Schulen des zweiten Bildungswegs, wie beispielsweise Abendschulen, entsteht für den Unterrichtsbesuch in der Regel kein Schulgeld; Kurse an Volkshochschulen sind dagegen häufig gebührenpflichtig. Allerdings werden Unterrichtsmaterialien wie Bücher, Hefte und weitere Hilfsmittel benötigt, die in den Anschaffungskosten zum Teil erheblich sein können. Je nach Erreichbarkeit müssen auch entstehende Fahrt- oder Benzinkosten kalkuliert werden.

Fernlehrgänge von privaten Anbietern hingegen sind in der Regel mit Kosten für den Unterricht, die Materialien sowie für die Prüfungen verbunden. Zudem müssen Internetkosten oder auch mögliche, gelegentliche Fahrtkosten zu Wochenendseminaren einkalkuliert werden. Fernlehrgänge brauchen eine Zulassung der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) nach dem Fernunterrichtsschutzgesetz.

Wie kann das Nachholen des Schulabschlusses finanziert werden und welche Fördermöglichkeiten gibt es?

Die finanziellen Aufwendungen für das Nachholen eines Schulabschlusses können stark variieren. Je nach Art, Dauer und Modalitäten der Bildungseinrichtungen können sie demnach als gering oder auch als hoch angesehen werden.

Nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) kann eine Ausbildungsförderung geleistet werden, etwa für den Besuch eines Abendgymnasiums oder Kollegs an einer staatlichen Einrichtung oder einer genehmigten Ersatzschule, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Nähere Auskünfte über die Voraussetzungen erteilen die Ämter für Ausbildungsförderung in den einzelnen Regionen. Eine professionelle Beratung durch die Mitarbeiter des Amtes für Ausbildungsförderung kann sowohl zu einzelnen Ausbildungsmöglichkeiten, Ausbildungsstätten und der Finanzierung detaillierte Auskünfte geben und bei der Beantragung unterstützen.

Für Erwachsene ohne Hauptschulabschluss sieht § 81 Abs. 3 SGB III außerdem eine Förderung zum nachträglichen Erwerb des Hauptschulabschlusses oder eines gleichwertigen Schulabschlusses vor, wenn die Voraussetzungen der Weiterbildungsförderung erfüllt sind und eine erfolgreiche Teilnahme zu erwarten ist; darüber entscheidet die Agentur für Arbeit bzw. das Jobcenter. Ob eine Förderung möglich ist, hängt von der persönlichen Situation ab – der Förder-Check zeigt die Wege.